Mit Misserfolg umgehen – Modell AUA
Etwas Neues probieren sollten nur diejenigen, die mit dem Erfolg umgehen können: Einige Lotto-Spieler hätten besser kein Los gekauft. Sie wurden unglücklicher als je zuvor – nachdem der große Gewinn ausgegeben war.
Etwas Neues probieren sollten aber auch nur diejenigen, die den möglichen Misserfolg verkraften können. Dazu dient das Modell AUA. Es ist eng verwandt mit dem Tool „Sorgen auf dem Prüfstand“ – dort gibt es einen Punkt „Wie teuer wird Vermeiden?“ Übersetzt auf diesen Beitrag: Was kostet es, das Neue NICHT zu probieren?
A – Akzeptieren
Ohne Akzeptieren geht nichts, gelingt keinerlei Verarbeitung. Stimmt – dieser Job ist verloren. Dieses Auto ist Schrott. Diese Beziehung ist am Ende. Dieser Weg endet hier.
So lange Sie noch völlig geknickt oder sauer sind, böse auf sich oder andere, hat es keinen Wert, genauer zu prüfen, was wirklich geschehen ist. Sie würden nur weiter schwächen oder zürnen.
Also braucht Akzeptieren auch das Akzeptieren des eigenen Gefühls. Ja, es ist mir peinlich. Ja, ich ärgere mich. Stimmt – das ist nicht schön jetzt.
Erst dann, wenn nicht mehr nur die Gefühle regieren, kann das Denken wieder richtig einsetzen. Erst dann ergibt die Analyse einen Sinn, die Erforschung aller Ursachen, die zum Miss-Erfolg beigetragen haben.
Eindrucksvoll! Ein Teilnehmer, der in der Jugend erblindet war, bestätigte diese Aussage: „Das ist bei uns Blinden genauso. Wer sehr hadert, lernt weder Braille noch die Unterscheidung der roten und weißen Socken vor der Wäsche.“
U – Untersuchen
Untersuchen ist an dieser Stelle Ursachenforschung. Woran lag’s, was ist passiert? Sie benötigen diese Untersuchung mit zwei Blickrichtungen – Sie benötigen auch Antworten aus beiden Richtungen.
1. Wo war keine Chance?
Mental-Trainer und Motivations-Gurus behaupten oft etwas anderes – und liegen falsch. Wir sind nicht immer unseres Glückes Schmied. Wer davon überzeugt ist, immer selbst alleinige Schuld zu haben, macht sich krank.
Es gibt Schicksalsschläge, zu denen Sie nichts beigetragen haben. Katastrophen, wo die einzige eigene Beteiligung darin lag, am falschen Ort gewesen zu sein. (Wenn Sie allerdings systematisch gefährlichste Orte aufsuchen, gilt das so nicht.)
Erstellen Sie eine Ursachen-Liste und kreuzen Sie an, welche Sie nicht beeinflussen konnten.
2. Was war meine Chance?
Und die andere Seite: eigene Anteile? Was konnten Sie beeinflussen, wo haben Sie Entscheidungen getroffen, die sich im Rückblick als schädlich erwiesen? Wer jetzt sagt: „Es war der verdammte Stau, den kann ich nicht verhindern!“ hätte aber vielleicht eher starten können.
Kein Backup vorbereitet, zu wenig gelernt, zu spät begonnen, zu wenig Erkundigungen eingezogen zu haben: Viele Chancen werden durch Versäumen vertan. Andere eben durch falsches Tun, falsches Einschätzen, störende Gefühle oder nachlässigem Umgang mit dem Körper. Siehe „Dimensionen“ auf dieser Seite.
Sie meinen, Ihr Gefühl hätten Sie nicht positiv beeinflussen können? Stimmt nicht. Zu 100% unter Kontrolle halten Sie Ihr Gefühl vermutlich nicht. Beeinflussen können Sie es.
A – Anders weiter machen
Wir Menschen haben ein paar hübsche Macken. Einige hat Lazarus beschrieben mit seinen „Fallstricken – 40 Regeln, wie wir uns das Leben zur Hölle machen“.
Eine andere findet sich bei Watzlawick in seiner „Anleitung zum Unglücklichsein“, er nennt sie „mehr davon“. Es klingt nur lustig, ist es aber nicht: Wenn etwas scheitert, glauben wir, nur die niedrige Dosierung trage Schuld. Also werfen wir noch mehr Geld in den klemmenden Zigarettenautomaten oder wiederholen unser vermeintlich bestes Argument halt 30 mal.
Der Trick zur Selbstüberwindung geht anders: Verändern Sie Variablen und schreiten dann mit weiterem Versuchen fort. Edison hat Hunderte von Versuchen durchgeführt. Sie alle scheiterten. Bis er das richtige Material für den glühenden Faden hatte – es wurde die Glühbirne, die wir alle kennen. Walt Disney hat viele, viele Banken vergeblich um Kredit gebeten, dabei Argumentation verfeinert – eine sagte zu. Was daraus wurde, wissen wir.
Wenn Sie die wirksamen Variablen in der Phase „U = Untersuchen“ ermittelt haben, dann verändern Sie diese und versuchen neu.
Auch Ausstieg ohne Erfolg ist erlaubt
Sollten Sie jedoch unterwegs heraus finden, dass ein anderer Weg der bessere sein kann, dass der Preis zu hoch wird, dass dieses Studium gar nicht ihren Vorstellungen entspricht, dass dieser Arbeitsplatz Sie krank macht: Dann finden Sie für sich selbst die passenden Gründe, die auch später noch wirken, und steigen aus.
„Die passenden Gründe“ – das sind die Argumente, die Sie bei unweigerlich einsetzender Selbstkritik benötigen. Die Sie auch anführen können, wenn andere Ihnen Kneifen oder Flüchten vorwerfen. Argumente, die Sie einsetzen gegen Mürbe-Techniken, die gerne beginnen mit „hätte… wäre… nur… dann…“
Vielleicht lauten diese Gründe so: Ich habe mein Bestes gegeben, es hat nicht gereicht. Und so versuche ich jetzt als nächstes
Folgendes: …
Ich wünsche gutes Gelingen bei allem, was das Richtige für Sie sein mag.